Monatsarchiv für Mai 2008

Du suchst im Moment im Archiv von Die Vorgeschichte der Kreuzzüge.

Zerstörung der Grabeskirche (1009 n.Chr.)

Am 18. Oktober 1009 ließ Kalif al-Hakim die Grabeskirche, eines der wichtigsten christlichen Heiligtümer überhaupt, zerstören. Diese ungeheuerliche Provokation sollte später einer der Auslöser für die Kreuzzüge werden.

Kalif al-Hakim (* 985 n.Chr., † 1021 n.Chr) war seit 996 n.Chr. Herrscher über Jerusalem. Er schränkte die relativ weitreichenden Freiheiten der jüdischen und christlichen Bevölkerung in Jerusalem deutlich ein. Juden und Christen mussten selbst im Badehaus Glöckchen tragen, sichtbare Kreuze wurden ebenso verboten wie Glockenläuten oder Prozessionen. Jüdische und christliche Feiertage durften nicht mehr öffentlich gefeiert werden. Aber auch die Rechte der Frauen (gleich welcher Religion) wurden erheblich eingeschränkt: sie mussten Schleier tragen, erhielten ein nächtliches Ausgangsverbot, durften an Begräbnissfeierlichkeiten nicht mehr teilnehmen. Ab 1015 n.Chr. dürfen Frauen ohne männliche Begleitung das Haus nicht mehr verlassen.

Die Verwaltung in seinem Reich, die bislang von gebildeten Nicht-Muslimen dominiert wurde, schaltete er gleich, in dem er die Nicht-Muslime zum Islam zwang oder alternativ aus den Ämtern entfernte.

Ab 1008 n.Chr. wurden unter seiner Herrschaft christliche Kirchen geplündert um die Finanzprobleme seines Reiches zu beheben. Diese Kirchenzerstörungen dauern bis 1018 n.Chr. an.

Nach 1033 n.Chr. wurden unter seinem Nachfolger, dem Kalifen al-Zahir, erneut Kirchen zerstört um eine Ringmauer um Jerusalem zu bauen.

Ab 1038 n.Chr. wird die Grabeskirche von byzantinisch-griechischen Architekten wieder aufgebaut bevor sie unter dem Kalifen al-Mustansir 1055 n.Chr. erneut geplündert wird.

Geschrieben von Claus am 15. Mai 2008 | Abgelegt unter Allgemein, Hintergrundwissen | Keine Kommentare

Konstantinopel

Konstantinopel (heute: Istanbul) wurde von Griechen um 660 v. Chr. als Byzantion gegründet und 326 n. Chr. in Konstantinopel umbenannt. In der Spätantike und im Mittelalter war Konstantinopel die Hauptstadt des Oströmischen Reichs. Militärisch galt Konstantinopel lange Zeit als uneinnehmbar und wurde als die stärkste Festung der Welt betrachtet.

Die Araber belagerten Konstantinopel insgesamt drei Mal: von 668 n.Chr. bis 669 n.Chr., von 674 n.Chr. bis 678 n.Chr. und schließlich von 717 n.Chr. bis 718 n.Chr. Alle drei Belagerungen scheiterten. Vorallem die letzte Belagerung war für die muslimischen Angreifer verheerend, da die arabische Flotte, fast 1.800 Schiffe, nahezu vollständig zerstört wurde. Die Seeherrschaft im Mittelmeer war damit beendet. Historiker gehen davon aus, dass 130.000 bis 170.000 Araber bei der Belagerung ihr Leben verloren. Von diesem Rückschlag konnten sich die Araber jahrzehntelang nicht erholen.

Die islamische Expansion in Richtung Europa wurde durch die erfolgreiche Verteidigung Konstantinopels aufgehalten und war daher von ausserordentlich wichtiger geschichtlicher Bedeutung. Es wird vermutet, dass im Falle des Sieges der arabischen Angreifer der Weg des Islam in´s Herz des christlichen Europas frei gewesen wäre.

Geschrieben von Claus am 14. Mai 2008 | Abgelegt unter Allgemein, Hintergrundwissen, Islamische Expansion, Schlachten, Städte | Keine Kommentare

Hintergrundwissen: Dhimmi

Als Dhimmi werden im Islam Angehörige des Juden- oder Christentums bezeichnet, die von Muslimen geduldet werden. Oftmals wird behauptet, dass die Angehörigen dieser Religionen unter besonderem Schutz der Muslime stehen. Die Wahrheit sieht jedoch (teilweise bis in die heutige Zeit hinein) anders aus.

Dhimmi zahlten eine spezielle Kopf- bzw. Schutzsteuer (Djiza) und durften als so genannte Dhimmi in gewissen Grenzen ihre Religion ausüben. Es ist Juden und Christen jedoch nicht erlaubt, neue Kirchen, Klöster und Synagagen zu bauen. Glockenläuten, öffentliche Begräbnisse und Feiern wurden verboten.

Dhimmi können nicht in öffentliche Ämter aufsteigen, dazu kommt eine massive Ungleichheit vor dem Gesetz, also eine dauerhafte Diskriminierung.

Dhimmi mussten in besonderen Vierteln wohnen (vgl. jüdische Ghettos) und besondere Kleidung tragen, um als Dhimmi kenntlich zu sein. Aus dieser muslimischen Diskriminierung durch spezielle Kleidung entwickelte sich später übrigens der Judenstern, dies am Rande erwähnt.

Dhimmi durften keine Waffen führen (was sie defacto wehrlos machte) und nur auf Eseln reiten. Islamische Rechtsgutachten schreiben vor, dass Dhimmi mit gesenktem Blick zur Linken der Muslime (die unreine Seite) vorbeizugehen. Dhimmi mussten sich von Muslimen schlagen lassen, durfen sich hierbei nicht wehren. Schlug ein Dhimmi zurück, wurde er entweder hingerichtet oder man schlug ihm die Hand ab.

Vor diesem Hintergrund muss man sich übrigens auch nicht wundern, wenn viele gläubige Muslime sich bis in die heutige Zeit, mit Berufung auf den Islam, als Herrenmenschen betrachten und Nichtmuslime entsprechend behandeln.

Geschrieben von Claus am 14. Mai 2008 | Abgelegt unter Allgemein, Hintergrundwissen | 1 Kommentar

Caesarea

Caesarea erhielt seinen Namen zu Ehren des römischen Kaisers Oktavius Augustus. Seit dem Jahre 6 n.Chr. war die wohl geplante Stadt Sitz der römischen Prokuratoren. Im 3./4. Jh. lebten in Caesarea Heiden, Samaritaner, Juden und Christen einträchtig nebeneinander. Ende des 6. Jahrhunderts wurde Caesarea befestigt und zur grössten befestigten Stadt des Landes. Caesarea wurde zwischen 634 n.Chr. und 640 n.Chr. mehrfach durch Araber angegriffen. Nach der Eroberung durch die Araber (640 n.Chr.), die während und nach der Belagerung der Stadt mehrere tausend Einwohner töteten, verlor Caesarea an politischer und wirtschaftlicher Bedeutung und blieb nur noch ein kleiner unbedeutender Ort. Ein weiteres blühendes Kulturzentrum verschwand vom Erdboden.

Geschrieben von Claus am 10. Mai 2008 | Abgelegt unter Islamische Expansion, Schlachten, Städte | Keine Kommentare

Schlacht von Zumail (633 n.Chr.)

In der Schlacht von Zumail wurde eine Armee von rund 5.000 christlichen Arabern durch rund 15.000 muslimische Araber des Heerführers Khalid ibn al-Walid angegriffen. Der Überraschungsangriff erfolgte nachts aus drei Richtungen gleichzeitig, ein gewagtes Unterfangen. Die Truppen von Khalid ibn al-Walid machten keine Gefangenen und die eingekesselte Armee wurde bis auf wenige Überlebende massakriert.

Mohammed nannte Khalid ibn al-Walid „Saifu-llah“ (Schwert Allahs).

Kalif Abu Bakr, der Nachfolger Mohammeds, sagte über Khalid ibn al-Walid: „Khalid ist das Schwert Allahs. Dieses Schwert hat Ungläubige wie ein Blitz getroffen.“

Auf dem Sterbebett sagte Khalid ibn al-Walid: „Ich habe an mehr als 100 Schlachten teilgenommen; und da sterbe ich auf meinem Bett, wie wenn ein Kamel stirbt.“

Geschrieben von Claus am 10. Mai 2008 | Abgelegt unter Allgemein, Islamische Expansion, Massaker, Schlachten | Keine Kommentare

Eroberung von Alexandria (642 n.Chr.)

Alexandria war nach Konstantinopel und neben Antiochia am Orontes die bedeutendste Stadt des Oströmischen Reiches. Als während der Eroberung Ägyptens (639 n.Chr. - 642 n.Chr.) auch Alexandria im Jahr 642 n.Chr. durch den Kalifen Umar ibn al-Chattab erobert wurde, soll er befohlen habe, alle noch vorhandenen Bücher in der ehemaligen weltberühmten Bibliotheksstadt zu vernichten. Die Stadt selbst wurde durch die Eroberung schwer beschädigt und versank während der muslimischen Herrschaft in der Bedeutungslosigkeit.

Geschrieben von Claus am 9. Mai 2008 | Abgelegt unter Islamische Expansion, Schlachten, Städte | Keine Kommentare

Schlacht bei Nehawend (642 n.Chr.)

Die Schlacht bei Nehawend im Jahr 642 n.Chr. besiegelte mit dem Sieg der muslimischen Tuppen über die Perser das Ende des Sassanidenreichs.
Nach ständigen Angriffen der Araber in das persische Kernland wollte der persische Heerführer Yazdegerd eine Entscheidung gegen die Araber herbeiführen. Auf persischer Seite standen vermutlich rund 40.000 Soldaten den 60.000 muslimischen Kämpfern gegenüber. Nach wenigen Tagen war die die persische Armee vernichtend geschlagen. Und auch wenn die Verluste auf muslimischer Seite enorm gewesen sein müssen: das Ende des Sassanidenreichs war mit dieser Schlacht endgültig besiegelt worden. Bis 651 n.Chr. fiel das zweite persische Grossreich ohne weitere nennenswerte Gegenwehr vollständig in die Hände der Muslime.

Geschrieben von Claus am 8. Mai 2008 | Abgelegt unter Islamische Expansion, Schlachten | Keine Kommentare

Der Fall Jerusalems (637 n.Chr.)

Ein muslimisches Heer belagerte 637 n.Chr. das bis dahin zum christlichen byzantinischen Reich gehörende Jerusalem. Als der Patriarch Sophronius die Hoffnung aufgeben musste, die Stadt noch halten zu können, kapitulierten Jerusalem unter der Bedingung, dass die Christen die Stadt unbehelligt verlassen durften.

Geschrieben von Claus am 8. Mai 2008 | Abgelegt unter Allgemein, Islamische Expansion, Schlachten, Städte | Keine Kommentare

Antiochia

Reste der Stadtmauer von AntiochiaIn römischer Zeit war die Stadt mit fast 50.000 Einwohnern eine der fünf wichtigsten Städte des römischen Reichs. In der St.-Petrus-Grotte versammelte sich die erste christliche  Gemeinde um Paulus, Barnabas, Petrus und dann um die ersten Bischöfe der Stadt. Der Apostel Paulus predigte zum ersten Mal in einer Synagoge, hier wurden die Jünger  Christi erstmalig Christen genannt. Die rhetorischen Schulen Antiochias zählten im 4. Jahrhundert neben den Schulen Athens, Alexandrias und Konstantinopels zu den führenden des (Ost-) Römischen Reiches.

Antiochia wurde, je nach Quellenlage, zwischen 638 n.Chr. und 641 n.Chr. durch die Araber erobert. Mit der Eroberung durch den Islam versank Antiochia zunächst in der Bedeutungslosigkeit.

Im Jahr 1098 wurde Antiochia durch Kreuzfahrer zurückerobert und blieb bis 1268 in christlicher Hand. Die Stadt erblühte erneut und wurde zur Hauptstadt des unabhängigen Fürstentums von Antiochien.

Nach der endgültigen Eroberung 1268 durch Mameluken unter  Sultan Baibars wurde die Stadt zerstört, die christlichen Einwohner wurden entweder getötet oder versklavt. Die Anzahl der Sklaven muss so hoch gewesen sein, dass der Preis für christliche Sklaven deutlich nachgab. Die Stadt selbst versankt nun endgültig in der Bedeutungslosigkeit.

Geschrieben von Claus am 8. Mai 2008 | Abgelegt unter Städte | Keine Kommentare

Schlacht am Jarmuk (636 n.Chr.)

Am 20. August 636 fand die Schlacht am Jarmuk (oder Yarmuk) im heutigen Jordanien statt. Die Oströmer, deren arabische Verbündete wahrscheinlich zu Beginn des Gefechts zu den Moslems überliefen, wurden entscheidend geschlagen. Das bislang christlich-römisch bestimmte Schicksal Syriens und Palästinas war damit besiegelt. In der Folge zogen sich die oströmischen Armeen nach Kleinasien zurück.
Die islamische Expansion hatte einen ersten entscheidenden Sieg errungen während die vorherigen kriegerischen Landnahmen eher unbedeutend waren.
Der arabische Sieg am Jarmuk brachte das Ende des römischen Orients, der 700 Jahre lang Teil des Imperium Romanum gewesen war.

Geschrieben von Claus am 8. Mai 2008 | Abgelegt unter Islamische Expansion, Schlachten | Keine Kommentare

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